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Hildegard lernt Fliegen “The Fundamental Rhythm of Unpolished Brains”
„Im Jazz gibt es kein richtig oder falsch!“
Wer Musik mit Haltung schätzt, ist hier genau richtig. Denn dem Sextett aus Bern geht es um viel mehr als nur „strategisches Musizieren“. Sein neues Album ist eine künstlerische Ermutigung zum Loslassen und Abheben.
„Es ist doch in der Musik genauso wie in anderen Disziplinen. Überall finden sich Künstler, die sich lange mit etwas beschäftigen und dann anfangen, zu abstrahieren. Das gilt für Jazz wie für Malerei oder Tanz.“ Andreas Schaerer, Sänger und Kopf der Band, bringt auf den Punkt, warum Hildegard lernt Fliegen so wunderbar individuell klingt. „Wir haben diesmal noch entschiedener als früher einfach gemacht, wozu wir Lust hatten. U
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Hildegard lernt Fliegen “The Fundamental Rhythm of Unpolished Brains”
„Im Jazz gibt es kein richtig oder falsch!“
Wer Musik mit Haltung schätzt, ist hier genau richtig. Denn dem Sextett aus Bern geht es um viel mehr als nur „strategisches Musizieren“. Sein neues Album ist eine künstlerische Ermutigung zum Loslassen und Abheben.
"Vocalist Andreas Schaerer has produced one of the cleverest and most interesting recordings I've heard in a while."
Cadence New York USA - Apr 2010
"Bei Hildegard Lernt Fliegen ist Witz kein Alibi, sondern grosse Passion."
Neue Zürcher Zeitung CH - Aug 2012
„Es ist doch in der Musik genauso wie in anderen Disziplinen. Überall finden sich Künstler, die sich lange mit etwas beschäftigen und dann anfangen, zu abstrahieren. Das gilt für Jazz wie für Malerei oder Tanz.“ Andreas Schaerer, Sänger und Kopf der Band, bringt auf den Punkt, warum Hildegard lernt Fliegen so wunderbar individuell klingt. „Wir haben diesmal noch entschiedener als früher einfach gemacht, wozu wir Lust hatten. Unsere Musik ist aber insgesamt weit weniger abstrakt als vieles, was es im Jazz sonst zu hören gibt.“ Dem lässt sich nicht widersprechen. Zweifellos flirtet das 2005 gegründete Sextett mit komplexen und verdichteten Momenten, die aber stets Humor und Seele zeigen und nie akademisch werden.
„Ich gehe heute noch auf die Knie, wenn ich bestimmte Stücke von Frank Zappa höre“, stellt Andreas Schaerer ohne Zögern fest, wenn die Sprache auf den Großmeister der virtuosen Anarchie kommt. „Dabei waren es nicht primär Zappas Kompositionen an sich, sondern seine Energie und Kompromisslosigkeit, die mich faszinierten.“ Das suggestive erste Stück des neuen Albums, Seven Oaks, lässt in seiner komplexen Form und dynamischen Entwicklung eine weitere Inspirationsquelle Schaerers durchschimmern: Strawinsky und die klassische Musik des 20. Jahrhunderts.
Der wuchtige, bewusst als Eröffnung komponierte Auftakt manifestiert eine neue ästhetische Konsequenz der Band. „Live haben wir die Zuschauer bislang stets durch eine dynamische Dramaturgie gefesselt“, sagt Schaerer, „also anfangs eher dezente Stücke gespielt, um die Leute letztlich zu kollektiven Improvisationen und komplexeren Kompositionen zu führen. Bei The Fundamental Rhythm of Unpolished Brains sind wir aus diesem Korsett mal ausgebrochen.“ So spiegelt Hildegards viertes Album zu gleichen Teilen pure Spielfreude und selbstbewusste Souveränität. „Man muss das Publikum nicht immer mit Seidenhandschuhen anfassen,“ glaubt Schaerer und geht dabei auch von sich aus: „Ich mag es gerne, wenn ich eine CD einlege und diese mich sofort mit einem Energieschub fesselt.“
Die Energie des Sextetts ist auf jeden Fall positiv, in übermütigen wie in nuancierten Passagen. Scharfkantige oder atmosphärische Bläsersätze, cool-lässige Attitüde und Detailschärfe, ausgeklügelte Kontraste und überraschende Assoziationen zeigen die Flexibilität aller Musiker. Wer Hildegard lernt Fliegen jemals bei einem ihrer packenden Konzerte gesehen hat, wird die enorme Bühnenpräsenz der Band kaum vergessen.

Nicht von ungefähr tourte sie bereits in Russland und China, begeisterte das verwöhnte Londoner Publikum, spielte bei europäischen Festivals, in Theatern und in Underground-Clubs.
Am meisten verblüfft Andreas Schaerers ungewöhnliche Ausdruckskraft und akrobatische Spannweite. Mal klingt er wie der insistierende Zeremonienmeister eines Zirkus, mal schraubt sich sein Gesang in exaltierte Höhenlagen. Dazwischen streut er irrwitzige Scats, Beatbox-Phrasen und lautmalerische Kapriolen. Natürlich hat Schaerer das studiert, ebenso wie Komposition. Er liebt Songschreiber wie Tom Waits, Bob Dylan und Nick Drake; seine Jugend mit Pink Floyd klingt gelegentlich noch als fernes Echo in Hildegards Musik an, ebenso seine Verehrung für Gil Evans. Die raffinierten rhythmischen Kniffe basieren hingegen auf osteuropäischen Einflüssen, von denen die gesamte Band infiziert ist.
„Ich finde es super, wenn man sich erst mal mehr auf den Klang konzentriert“, sagt Andreas Schaerer, „auch wenn die Texte natürlich einen Hintergrund haben.“ Zuweilen ist der Sinn nicht leicht zu entschlüsseln, lassen assoziative Bilder absichtsvoll Raum für eigene Interpretationen. Manche Zeilen in Pre & Post Sapients und Zeusler zeigen aber auch klare Haltung, fordern teilweise dazu auf, sich Gedanken über Zeitgeist und Konsum zu machen. Das Loslassen von alten Gewissheiten und Paradigmen zugunsten neuer, eigener Perspektiven zieht sich als imaginärer roter Faden durch Unpolished Brains, prägt die Musik ebenso wie die Poesie. „Zeuseln ist Schweizer Mundart und bedeutet zündeln“, erklärt Schaerer, „der Text reflektiert darüber, wie weit man die Möglichkeit einer Eskalation in Kauf nimmt, indem man Erwartungen nicht erfüllt.“
Gewitzt setzt Hildegard lernt Fliegen ängstlichen Biedermeiern frische Ideen entgegen, stürzt sich als Sandkorn ins Getriebe des Gleichklangs. Die Band lässt Konventionen hinter sich, erhebt Nonkonformismus nicht zum Dogma und zeigt bei aller Präzision umwerfenden Witz. Für Hildegards hinreißende Frechheiten weiß Andreas Schaerer eine griffige Formel: „im Jazz gibt’s kein richtig oder falsch!“