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Aufmacher




Open-Air auf dem Hof [sonst in der Halle]
Wenn Hanswurst regiert, wie wir es gerade mehrfach erleben. Bei „König Blutwurst I.“ darf herzhaft gelacht werden, aber auch mulmige Gefühle könnten sich beim Publikum einstellen. Thomas Kölsch spielt König Blutwurst, den Ersten und Besten und gibt mit der gleichnamigen Figur zugleich den Hanswurst und den blutrünstigen Tyrannen. Seine gewiefte, kaltherzige Ehefrau (Felix S. Felix), sein Gewissen und die Figur des Hauptmanns wird von Laura Kaiser (zum ersten Mal bei Chawwerusch) dargestellt. Es ist eine bitterböse, derbe Komödie im Stil der Commedia dell’arte, die Walter Menzlaw frei nach Alfred Jarrys „König Ubu“ geschrieben und inszeniert hat.
Wenn der gefräßige Ubu von etwas träumt, dann von einem Kühlhaus voller Blutwürste. Wenn er etwas sein möchte, dann der mächtigste und reichste Mensch der Erde. Seine Frau verspricht ihm all das als Lohn dafür, dass er den König stürzt, da zögert er nicht lange. Kurzum lässt er den Monarchen ermorden und ernennt sich selbst zum „König Blutwurst I.“, der fortan mit Kneifschweinen und Enthirnungsmaschine regiert, allein mit dem Ziel, seinen persönlichen Reichtum zu vermehren. Geschickt hält seine smarte und machthungrige Frau im Hintergrund die Fäden in der Hand und will sich ihrerseits bereichern. Nur der Hauptmann des früheren Königs wird mehr und mehr ein Gegner Ubus und versucht, die Tyrannei zu beenden.
Augenfällig bewegen sich die clownesken Figuren jenseits von Gut und Böse. Dabei ist die Handlung zwar in einer unbestimmten Vergangenheit angesiedelt, aber viele Details und Dialoge hören sich an wie frisch aus dem Hier und Jetzt. Zum Beispiel wenn Ubu nach den ersten hundert Tagen seiner Regentschaft dem Volk verkündet, dass er der erfolgreichste und intelligenteste König sei, den Gott je erschaffen hat. Der Stücktext klingt wie eine aktuelle Zitatensammlung heutiger Autokraten.
Ubu ist ein extremer Charakter, der mit seinem populistischen Auftreten die Menschen fasziniert. In einer Gesellschaft, in der moralische oder soziale Überzeugungen immer unwichtiger werden, ist er, der absolute Egomane, die Lichtgestalt. Überlegungen zum Allgemeinwohl stören ihn nicht mal dabei, da sie ihm schlichtweg nicht einfallen. Wenn er mit großer Geste verkündet „Krieg ist Schmeiße! Ich bleib zu Hause und sag den Krieg ab!“, reicht der Einwand seiner Frau „Du kannst dich ja vorsichtig im Hintergrund halten!“ und schon schwenkt er um in Gewaltfantasien von brechenden Zähnen und blutenden Ohren und Nasen. Kein Wunder, dass sein personifiziertes Gewissen schließlich müde klein beigibt und sich davonschleicht.
Und was sagt das Volk dazu? Das jubelt dem unterhaltsamen und selbstgefälligen Despoten zu und scheint sich gar nicht gegen ihn auflehnen zu wollen. Den Rest besorgt das so überaus praktische Rohrleitungssystem auf der Bühne (Bühnen- und Kostümbild: Jörn Fröhlich und Cansu Incesu). Wann immer es darum geht, mit Botschaften zu manipulieren oder einzelne Menschen auszuspionieren, steht es dem zweifelhaften Regime zur Verfügung.
Mit viel Komik und zunehmendem Tempo fährt die clowneske Geisterbahn der Macht auf ihr Ziel zu. Wird sich Ubu als König Blutwurst I. auf dem Thron halten können? Muss er sich am Ende mitsamt seiner gewissenlosen Frau für seine Taten verantworten? Der Ausgang ist völlig unvorhersehbar, der Fortgang der Handlung immer wieder überraschend – beste Voraussetzungen für ein hoch unterhaltsames Stück Theater.
[Bei entsprechender Witterung im Hof, sonst in der Halle]
Karten kosten im online-Vorverkauf nur 15,00 / 12,00 € ermäßigt (zzgl. Gebühren)