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Open-Air, Zitadelle Mainz, Zitadellenweg, 55131 Mainz

Aufmacher
Spätestens in Zeiten, in denen es bunt durch die weißen Ärmel unserer
Versicherungsberater schimmert, sollte klar sein, dass es bei Jennifer
Rostock um mehr geht als Tattoos und Metall im Gesicht. Mit 9 Jahren
Bandgeschichte, 5 Alben, Live-DVD, Ochsentouren auf’m Buckel und ner Menge Festivaldreck an den Sohlen hat die Band jeden Zweifler an ihrer Existenzberechtigung aus der Umlaufbahn katapultiert. Ihr Weg hat sie über Scheißfrisuren, Kaugummipop-Experimente, über Bühnen jeden
Ausmaßes, quer durch die Kneipen ihrer Wahlheimatstadt Berlin an
einen durch Renitenz und Selbstbestimmheit geprägten Ort geführt, in
dem sie ihre Nische für sich selbst kreiert haben. Jennifer Rostock haben
nicht nur was zu sagen, sie tun es auch. Das neue Label, das neue
Management, der Sprung ins kalte Wasser und das anschliessende
Schütteln, das alles mündet nun in einer Platte, die radikaler nicht sein
könnte.
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GENAU IN DIESEM TON
Spätestens in Zeiten, in denen es bunt durch die weißen Ärmel unserer
Versicherungsberater schimmert, sollte klar sein, dass es bei Jennifer
Rostock um mehr geht als Tattoos und Metall im Gesicht. Mit 9 Jahren
Bandgeschichte, 5 Alben, Live-DVD, Ochsentouren auf’m Buckel und ner
Menge Festivaldreck an den Sohlen hat die Band jeden Zweifler an ihrer
Existenzberechtigung aus der Umlaufbahn katapultiert. Ihr Weg hat sie
über Scheißfrisuren, Kaugummipop-Experimente, über Bühnen jeden
Ausmaßes, quer durch die Kneipen ihrer Wahlheimatstadt Berlin an
einen durch Renitenz und Selbstbestimmheit geprägten Ort geführt, in
dem sie ihre Nische für sich selbst kreiert haben. Jennifer Rostock haben
nicht nur was zu sagen, sie tun es auch. Das neue Label, das neue
Management, der Sprung ins kalte Wasser und das anschliessende
Schütteln, das alles mündet nun in einer Platte, die radikaler nicht sein
könnte. Das fünfte Album heisst „Genau in diesem Ton“ und ist ein Musik
gewordenes Pamphlet. Ein Plädoyer für den Mut, in sich hineinzuhören,
sich auszuprobieren, sich so zu lieben wie man ist, um es dann umso
lauter herauszuschreien, („Baukräne“, „I love you, but i’ve chosen
Dispo“). Ein Nuklearangriff auf die nimmersatten Nörgler der Nation
("Irgendwas ist immer“). Ein kackender Möwenschwarm über dem
Schilderwald aus Verhaltensmustern, Etikettierungen und vermeintlichen
No-Gos ("Neider machen Leute").
„Kann man liken, kann man lassen."
Dem überzeugten Huldigen des eigenen Lebenswandels in „Uns gehört
die Nacht“ steht der genauso ehrliche Zweifel in „Deiche“ gegenüber. Der
Hymne aufs Leben „Wir waren hier“ folgt die bitterböse Abrechnung mit
einer völlig aus den Fugen geratenen Gesellschaft: In Songs wie
„Hengstin“, „Wir sind alle nicht von hier“ oder „Silikon gegen Sexismus“
verpassen sie allen rassistischen und sexistischen Kleingeistern unserer
Spezies eine schmerzhafte Stinkefinger-Akupunktur.
„Es gibt kein Brot für die Welt, wir verschlucken uns am Kuchen. Und
solang die Anderen böse sind, gehören wir zu den Guten."
Es ist eben jene explosive Mischung aus einem zutiefst verankerten
Humanismus und einem radikalen Exhibitionismus, es ist das Pendeln
zwischen rotem Teppich und Punkerschuppen und es ist die seltene
Fähigkeit, das Trinkspiel haushoch zu gewinnen und trotzdem am
nächsten morgen im Frühstücksfernsehen schlagfertig aus der Hüfte zu
schießen, die Jennifer Rostock einzigartig und relevant macht. Allen
voran Jennifer Weist, die es geschafft hat zwischen Singen und Shouten,
zwischen Bühnensau und BFF, zwischen Tourbus und Talkshowsesseln
eine der spannendsten und glaubwürdigsten Stimmen für moderne
Emanzipation, für Selbstbestimmtheit und offenes Miteinander zu
werden.
"Ich kann mich verkaufen, macht mich das zum Produkt? Wem gehört
mein Körper, wenn ihn die Zeitung druckt?"
Genau in diesem Ton. Jeder einzelne Song zelebriert die Lust und den
Drang, weiter zu gehen als je zuvor. Diese Kompromisslosigkeit hört
man auch im Sound. Man hört eine Band, die es derbe abfeiert
zusammenzuspielen, und gerade deshalb entzieht sich die Platte
jeglichen Produktionsdogmen oder Genrespielregeln. Alles so wie’s
muss, jeder Song dahin, wo er hinwill. Weil sie den Schlagzeugsound auf
einem Defeater-Album gefeiert haben, ergoogelten sie sich das
Recording Studio, nahmen den Hörer in die Hand und saßen eine Woche
später mit Jason Maas zusammen im Studio. Deutschpunk-Produzent
Vincent Sorg und Mixingkoryphäe Moritz Enders rundeten den Sound
ab: Die Moshpitparts explodieren, die Poprefrains heben ab, und die
Experimentierfreude führt bis an unbekannte Ufer.
Jennifer Rostock brettern mal wieder raus, was ihre Welt bedeutet und
damit sind sie nicht allein. Offensichtlich...und zum Glück. Um die Band
zu lieben muss man halt ein bisschen rausschwimmen aus den seichten
Gewässern und sich auf Wellengang einrichten. Aber wenn man ruhig
weiteratmet, bleibt man ganz von alleine oben. Lasst die Schwimmflügel
zuhause, Habt Vertrauen. Darum geht es. Es lohnt sich.


Blackout Problems:
Wer sich heutzutage für ein Leben als Musiker entscheidet, hat einen guten Grund.
Seitdem die „Blackout Problems“ sich 2012 zusammengefunden haben, ist viel passiert. Diverse
Touren, Radio- und Festivalerfolge, 2 EPs und ein Album später ist das Phantasma eines
glamourösen Rockstarlebens zwischen Sex, Drogen und ausverkauften Stadien immer noch ein
Phantasma – und der Grund für die vier Wahl-Münchner, weiterzumachen und unermüdlich mit
dem Sprinter auf der Autobahn unterwegs zu sein, scheint noch immer der gleiche zu sein.
Mit ihrem neuen Album „HOLY“ kreisen sie ihn ein. Hört man sich durch die 12 neuen Songs, die
sich zwischen der ungestümen Jugendlichkeit von Enter Shikari und dem großspurigen Highway-
Soundtrack eines Bruce Springsteen aufspannen - die beiden Lieblingsbands des Sängers Mario -
blickt man auf das Fundament einer Band, die bei sich geblieben ist und genau zu wissen scheint
warum sie tut was sie tut.
Woher die vier Musiker ihre Kraft nehmen, über ihre Kritik und ihren Frust hinaus zu einem so
ehrlichen Optimismus zu finden, ist angesichts des allerorts grassierenden Zynismus einigermaßen
rätselhaft – wie verbindend diese Positivität ist, zeigt sich in der Kollaboration mit Nathan Gray
(Boysetsfire) und Touren mit Heisskalt und den Emil Bulls. Wie aufrichtig und stabil sie ist,
beweisen die Musiker mit ihrem eigenen Leben: Do It Yourself ist hier die Devise, zum Beispiel
beim eigenen Merchandise Vertrieb “Munich Warehouse”, der ausschließlich mit fairer Ware
handelt. Natürlich, räumt Sänger Mario ein, machen sie sich Sorgen um die Zukunft, aber ein
sicherer Job allein bedeutet auch nicht mehr als eine Verlagerung der Ängste, die vor allem eins
sind: menschlich.
„Keiner ist besser als jemand anders“, sagt Bassist Marcus, „jeder sollte gleich behandelt werden.
Auch live gibt es keinen Unterschied zwischen Musiker und Publikum, die Bühne ist für alle da.“ In
einer Zeit, in der es nicht nur im Popzirkus meistens um Ego und Selbstverwirklichung geht, ein
Plädoyer für Gemeinschaft. Und ein gutes Beispiel für die gelebte Haltung, die die „Blackout
Problems“ dem Lärm der Meinungen entgegenhält – und auf „HOLY“ entgegenbrüllt. In den
einfachen, ernst gemeinten Texten geht es um Freundschaft, Mut, Gerechtigkeit, Fragen der
Verantwortung und Moral – lauter altmodische Werte also, oder eben: die Zukunft, für die wir bloß
noch nicht bereit sind. Anachronistisch und hochaktuell also, genauso wie die Musik zwischen
amerikanischem Rock und zeitgenössischem Post-Everything.
Da verwundert es nicht, dass zu den Lieblingsfilmen der Band sowohl „Into the wild“ als auch „The
Social Network“ zählen.
Sinnbildlich greift auch das Albumcover die beiden abstrakten Gegensätze Urbanität und
unberührte Natur auf: Der Wunsch des Menschen, sich immer weiter in Gefilden zu verlieren die
ihm nicht gehören und die dabei entstehenden Rückschläge – dargestellt vom Brighton Pier, der
sich weit hinein in den Ozean erstreckt und, Jahre nach seiner Erbauung, Opfer eines gewaltigen
Brandes wurde. Die restaurierten Überreste dienten der Band als Kulisse und Inspiration
gleichermaßen.
“HOLY” klingt offen, hell, aufgeräumt. Während Schlagzeuger Michael sich fordernd und
vehement durch die Songs prügelt, strahlen die Gitarren förmlich um die Wette – und der Gesang
bettet sich in seiner stylischen Unperfektheit perfekt ein in diesen angenehm wenig aufgeblähten
Sound, dem man die vielen Live-Shows an jeder Stelle anhört.
Die Melodien dagegen scheuen nicht die große Geste. Und die Songs halten das aus. Produzent
Philipp Koch (Heisskalt) ist dem Purismus der Band mit gekonnter Zurückhaltung begegnet, und so
entstand ein Album, das groß ist und dabei ohne Posen auskommt. Unverspieltes Spiel,
unverkleideter Stil, unverhohlene Aussagen: Man kann das naiv finden. Man kann aber auch
einfach den Hut ziehen vor so viel Straightness. Und sich der hoffnungsvollen Prognose der Band
anschließen und den Aufbruch besingen: „We will be one“.