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Stadtkirche Darmstadt

Kirchstr. 11, 64283 Darmstadt

Aufmacher
Es ist hörbar eine Herzensangelegenheit: Das Enjoy Jazz Festival gab der Mannheimer Saxofonistin Alexandra Lehmler die Möglichkeit, eine Wunschformation zusammenzustellen, und „sans mots“, die neue CD, ist das klingende Resultat: ein paritätisch besetztes, deutsch-französisches Quartett mit dem Vibraphonisten Franck Tortiller und dem Schlagzeuger Patrice Héral, sowie Alexandra Lehmler an den Saxofonen, dem Kontrabassisten Matthias Debus, ihrem Partner auch abseits der Bühne und auf einigen Stücken dem Karlsruher Trompeter und Flügelhornspieler Herbert Joos, einem feinsinnigen Veteran des experimentellen Jazz in Deutschland.

Alexandra Lehmler, geboren 1979 in Bad Ems an der Lahn, ausgebildet in Mannheim, Stuttgart und Paris, Trägerin des Jazzpreis Baden-Württemberg 2014 und Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg, ist eine der Vorzeigemusikerinnen der deutschen Szene. Eine brillante Überzeugungstäterin mit dem Hang zum Besonderen, die eine sehr persönlichen Balance zwischen Leidenschaft und Ausdruckswillen einerseits und der Sinnlichkeit von Groove und Melodie anstrebt. Seit langem schaut sie sich bei dieser Suche immer wieder jenseits der Grenze zu Frankreich um, wo die Jazzszene weitaus stärker von traditionellen Musikformen aus den Regionen sowie durch die Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien und die Globalisierung geprägten ist. Hier findet die Saxofonistin, die ebenso selbstverständlich den Karawanenklang des Sopransaxofons nutzt wie den flexiblen Biss des Altsaxofons oder das satte Röhren des Baritonsaxofon, viele Musiker, die ihren offensiv offenen Zugang teilen. Ihrem Spiel kommt das zugute: Selbstverständlich und selbstbewusst verwendet sie Motive aus der Weltmusik und bewegt sich mit gleicher Überzeugung in minimalistischen oder elektrifizierten Klanglandschaften, die auch einmal düster und rockig werden können, dreckig und derb. Eine Frage nicht von Stilen, nicht des Styles. Eine Frage des Stils, und davon hat sie reichlich.

Mit dem neuen Quartett kommt sie dieser Idealvorstellung einer polystilistischen Offenheit schon sehr nahe, und daran haben die beiden französischen Musiker ihren Anteil: Während Patice Héral am Schlagzeug die Grenzen zwischen Groove und Swing auflöst, das eine mal den Backbeat rocken lässt und an anderer Stelle in einen eleganten Swing verfällt, der sich auch von ungeraden Taktarten nicht aus dem Konzept bringen lässt und zwischendurch als Vokalkünstler am Digitaldelay eine erdige Note einbringt, verflüssigt der Glockenklang von Franck Tortillers Umgang mit dem Vibraphon die harmonischen Räume und öffnet ungeahnte Räume für Lehmlers Spiel mit den Potentialen der Melodie.

Jazz ist Personenmusik, und „sans mots“ ist ein Spiegel der musikalischen Persönlichkeit von Alexandra Lehmler: feurig, energisch, wandlungsfähig, mit vollem Herzen gebunden an die Sinnlichkeit von Groove und Melodie und auf eine sehr zeitgenössische Art zeitlos.