Komödie von Molière

Staatstheater Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1, 64283 Darmstadt

Kleines Haus

"don't believe in modern love" - David Bowie

Alceste hat mit der Welt der Heuchler gebrochen. Dennoch kämpft er weiter - mit sich und allen anderen: Mit seinem Freund Philinte streitet er in glanzvollen Rededuellen darum, ob ein ehrliches Leben im falschen möglich ist. Mit seinem eitlen Konkurrenten Oronte ringt er um die Gunst der begehrten Witwe Célimène. Ihr will er ein klares Liebesbekenntnis abpressen. Dabei begeht er einen Fauxpas, der in den besten Beziehungen vorkommt: Alceste glaubt zu wissen, wie seine Angebetete "wirklich" ist. Er möchte Célimène aus ihrem Umfeld lösen, in der Erwartung, ihr wahrer Wesenskern käme zum Vorschein. Doch Célimène ist in ihrer Spektakel-Gesellschaft ganz glücklich: Meisterhaft beherrscht sie die Selbst-Inszenierung. Genussvoll und schlagfertig spielt sie sowohl verschiedene Rollen als auch geschickt auf der Klaviatur gesellschaftlicher Konventionen.

Ganz anders Alceste: Umgeben von Menschen, die alle behaupten, individuell (in-dividuell = "un-teilbar") zu sein, ist Alceste tatsächlich und mit absoluter Konsequenz im Wortsinn Individualist ("Unteilbares", "Einzelding"). Das führt dazu, dass er nicht mehr sieht, was er mit seinen Mitmenschen gemein hat, was er mit anderen teilt.

Meist unterschlagen wird der Untertitel, den Molière1666 seiner Uraufführung gab: "Der verliebte Melancholiker". Er betont, dass Alceste nicht nur Menschenhasser, sondern auch verliebt ist. Wie die meisten Hauptfiguren Molières ist er also eine gespaltene und damit überaus moderne Figur.

Insgesamt bleibt das über 350 Jahre alte Stück eine kluge Komödie über die vagen Grenzen von Diplomatie zu Lüge, die in Zeiten von alternativen Fakten, moderner Liebe und vagen Freundschafts-Begriffen elegant an aktuelle Diskurse anschließt. Mit leichter, brillanter Sprache bringt sie die notwendige Tiefe in das oft verbohrte Ringen um Wahrheit(en).

Weitere Informationen und Tickets unter Tel.: 06151 - 2811600