"Video des Monats"

Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, 64283 Darmstadt

Aufmacher

Foto: Lisa Rave, Europium (Videostill), 2014, Courtesy: the_artist


"Ozeanische Gefühle"

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt stellt im neuen Videoraum aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler vor. Das neue Programm wird in der Galerie der Kunst nach 1945 präsentiert. Es verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der die Geschichte des Museums seit Anbeginn prägt.

Die Reihe präsentiert ein Video des Monats unter dem Titel »Ozeanische Gefühle« mit Filmen über die Neugierde des Menschen, seine Umwelt und die Natur zu erforschen, zu verstehen und zu gestalten. Das Ozeanische Gefühl erlangte durch Sigmund Freud anhaltende Prominenz, der in seinem Buch »Das Unbehagen in der Kultur« von sich behauptete, dieses Gefühl der »Zusammengehörigkeit mit dem Ganzen« in sich nicht entdecken zu können. Er erwiderte damit seinem Brieffreund Romain Rolland, der die Sehnsucht, ein Teil der Ewigkeit zu sein und im Unendlichen zu verschmelzen als urmenschlich ansah. Das Wort »ozeanisch« ist dabei nicht wörtlich zu verstehen. Es geht nicht um eine spezielle Empfindung beim Anblick des Meeres, sondern um das allgemeine Gefühl des Einsseins mit der Welt.

Angesichts existenzieller Veränderungen unseres blauen Planeten und bedrohlicher Umweltzerstörung, steht das Verhältnis von Mensch und Natur derzeit grundsätzlich in Frage und damit jene allumfassende Emotion. Die Strategien der Aneignung und der Erfindung von Welt, das Streben die Erde zu erkunden zu kategorisieren, zu archivieren und zu präsentieren, erscheinen gleichsam »ozeanisch«: unbegrenzt und schrankenlos. Dies gilt ebenso für die Effekte der Globalisierung und die Kreisläufe des Kapitals.

Den Auftakt der Videoreihe bildet der preisgekrönte Film »Grosse Fatigue« der in New York lebenden Französin Camille Henrot (*1978). »Grosse Fatigue«, die »Große Müdigkeit«, entstand nach monatelangen Recherchen im größten Museumskomplex der Welt, dem Smithsonian Institute in Washington. Mit aufpoppenden Bildschirmfenstern und einer fulminanten Bilder- und Wortflut erzählt Henrot ihre eigene durchgestylte Version der Geschichte des Universums, kombiniert verschiedene, durchaus widersprüchliche Ideen vom Werden und Vergehen: Henrots rasanter Rap sampelt Mythen der Sioux und Navajo Indianer, des Shinto Buddhismus‘ bis hin zu islamischen und jüdischen Überlieferungen mit Evolutionstheorien, kosmologischen, anthropologischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Im ersten Halbjahr 2019 folgen danach Projektionen von Lisa Rave, Sven Johne, Ursula Biemann, Julian Charrière und Solveig Settemsdal.


Dauer der Ausstellung: 01.02.2019 - 31.12.2019

Öffnungszeiten:
Di., Do., Fr.,: 10.00-18.00 Uhr,
Mi.: 10.00-20.00 Uhr
Sa., So. und Feiertag: 11.00-17.00 Uhr
Montag, Karfreitag, Heiligabend und Silvester geschlossen.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.


Kontakt: Dr. Gabriele Mackert, Tel.: 06151 / 1657-012