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Amtlich tot oder richtig lebendig?
Das Herxheimer Chawwerusch Theater spielt eine Neu-Inszenierung von „Kennen Sie die Milchstraße?“ des Karlsruher Autors Karl Wittlinger. Geschrieben im Jahr 1955, erzählt die Komödie die unglaubliche Geschichte des Samuel Kiefer (kurz „Sem“), der nach langer Zeit aus dem Krieg in seinen Heimatort zurückkehrt, wo er mittlerweile für tot erklärt wurde. Weil er keine Papiere mehr hat, sein Besitz aufgeteilt wurde und seine Verlobte einen anderen geheiratet hat, kann er nicht mehr in sein altes Leben zurück.
Der Heimkehrer (Ben Hergl) kann es einfach nicht verstehen: Warum kann er nicht wieder als Sem in seinem Dorf mit eigenem Haus und Hof leben? Da verliert der Ratsschreiber (Thomas Kölsch) die Geduld: „Ach Sem, du hast ja von sowas kein Dunst! Du denkst: Da lebt man, und dann ist man tot, und dann lebt man wieder! - Wenn du dabei gewesen wärst, was das für ein Affenzirkus war - mit den Behörden, bis wir dich tot gehabt haben!“ Diese Mühe soll nicht umsonst gewesen sein, finden die Behörden-Vertreter, aber auch seine Bekannten und Freunde, die sich mit der Situation des totgesagten Sem ganz gut eingerichtet haben. So nimmt der Heimkehrer kurzerhand den Namen eines anderen an. Bald stellt sich heraus, das derjenige eine kriminelle Vergangenheit hatte...
Am Ende ist es dann die Milchstraße, beziehungsweise ein fremder Stern, auf die Sem als neue mögliche Heimat hofft, wenn auf der Erde nirgends Platz für ihn ist. Zurück bleibt die Frage, was das Leben eines Menschen ausmacht. Sein biologisches Dasein oder die behördlich-korrekten Daten seines Lebens im richtigen Ausweispapier. Spätestens hier findet sich der Zuschauer im Hier und Jetzt wieder, dem Europa, in dem viele Geflüchtete ohne Pass eine Heimat suchen.
Diese Inszenierung Siegfried Bührs, der vierten des freien Regisseurs beim Chawwerusch Theater, erzählt leichtfüßig und mit großer sprachlicher Kraft die unterhaltsam-turbulente Geschichte eines Heimkehrers in den 50er Jahren. Das Thema und die aufgeworfenen Fragen könnten jedoch nicht aktueller sein.