TIP Theater im Pädagog UG

Von den Leben die hellen, von den Toden die schnellen Brecht zum 70. Todestag am 14. August 2026 mit Gina Pietsch & Frauke Pietsch

At a glance
Date
Sunday, November 29, 2026
Timetable
Entry time 6:00 PM
Begin 7:00 PM
End 9:00 PM
address
Theater im Pädagog
TIP
Pädagogstraße 5
64283 Darmstadt
Description

Wir singen vom Tod, weil es Brecht immer ums Leben ging.

Unsere Überschrift enthält wichtige, gute Wünsche, die er im

Gedicht „Orges Wunschliste“ seinem Jugendfreund Georg

Pflanzelt, also Orge, in den Mund legt, am Anfang seines

Todesjahres 1956, nach einem Leben, das man weiß Gott nicht

einfach „hell“ nennen kann. Lange vorher hat er auch über seinen

Tod nachgedacht, ohne Sentimentalität, auch über seinen Nachruf.

Dem mit ihm befreundeten Pfarrer Karl Kleinschmidt rät er:

Schreiben Sie nicht, dass Sie mich bewundern. Schreiben Sie,

dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tode zu bleiben

gedenke. Es gibt auch dann noch gewisse Möglichkeiten.

Brechts Leben fiel in eine Zeit, in der viel gestorben wurde,

in zweien, von seinem Land angezettelten Weltkriegen,

17 Millionen Menschen im Ersten, 75 Millionen im Zweiten,

darunter Brechts Sohn Frank, der, als Luftjäger eingezogen, am 13.

Nov. 1943 im russischen Winter, in Porchow, Nordwestrussland,

starb. Neben den Toden an Kriegen sterben die Leute in schlechten

Zeiten an Armut, Kälte und Hunger, zerreißen auf offener im Jahre

1919, in der Berliner Frankfurter Allee, hungernde Menschen ein

Pferd, das aus Schwäche zwar den Wagen nicht mehr ziehen kann,

aber noch längst nicht gestorben ist. Brecht nimmt den Vorgang in

schweren Zeiten, 1931, noch einmal auf in seinem großen Gedicht

Ein Pferd klagt an, nach Grimms Märchen Oh Falladah, die du

hangest. Aus Sorge, dass das nun mit Kriegen, und also Sterben

durch Bomben, Hunger und Kälte, so weiter geht – auch unsere,

derzeit besonders akute Sorge – warnte Brecht in einem mahnenden

„Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller 1951 so: Das

große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem

ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr

auffindbar nach dem dritten.

1918 beobachtet der Dichter: Im Frühjahr 1918 durchkämmte der

kaiserliche General Ludendorff zum letzten Mal ganz Deutschland

nach Menschenmaterial. Brechts dichterischer Kommentar dazu

war in diesem Jahr seine sehr berühmte Legende vom toten

Soldaten, für die er fast vom Augsburger Realgymnasium geflogen

wäre. Das Thema war: Dulce et decorum est pro patriam mori und

alle bestätigten diesen Satz. Brecht aber schrieb: Der Ausspruch,

dass es süß und ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben, kann

nur als Zweckpropaganda gewertet werden.

Das Volk verliert jeden Krieg, wie er nach Hiroshima sagt, wo nur

1 Flugzeug mit 13 Mann Besatzung nötig war, um 200.000

Menschen sofort, 120.000 danach zu töten:

Die Früchte des Wissens sind tödlich geworden. Das darf

nie vergessen werden. Denn, seine Meinung, Der Tod ist zu nichts

gut. Und, im Übrigen, wie seine Frau Helli und seine Tochter

Barbara sagen, seine letzten Worte waren am 14.August 1956, um

23.45: Laßt mich in Ruhe!

Buch: Gina Pietsch,

Musikalische Einrichtung: Frauke Pietsch

Studium im Fach Chanson bei Gisela May,

an der HS für Musik „Hanns Eisler“ zu Berlin;

Schauspielabschluss an der HS für Schauspielkunst

„Ernst Busch“ zu Berlin; dort und an der Filmuniversität

Babelsberg „Konrad Wolf“ 1992 bis 2010 Lehrtätigkeit für Gesang

und Interpretation; wichtigster Lehrer Ekkehard Schall; zahlreiche

Arbeiten für Rundfunk und Fernsehen;

achtzig Soloabende, dreißig davon zu Brecht, die weiteren

basierend u.a. auf Texten und Musiken von Bachmann, Bejarano,

Braun, Degenhardt, Eisler, Engels, Fried, Gernhardt, Goethe,

Hacks, Heine, Henning, Jara, Kabarett, Kempner, Luther,

Luxemburg, Marx, Pellert, Schall, Schrader, Schumann,

Theodorakis, Tucholsky und Weill

gespielt, inszeniert in Berlin, Celle, Cottbus, Fürth, Halle, Hof

1998, ihre Inszenierung des Brecht-Abends „Die Ware Liebe“

am Stadttheater Fürth erhielt den Bayrischen Theaterpreis;

Preis für Solidarität und Menschenwürde , BÜSGM, 2018

Ehrenmitglied der Ernst Busch-Gesellschaft 2021

Brecht-CD „Alles wandelt sich“ 1991

Brecht-CD „Klampfenlieder bei Brecht“ 1997

Weihnachts- CD „Jesus macht nicht mehr mit“ 2001

Folkerts-CD „Pietsch singt Folkerts“ 2002

Brecht-CD „Er hat Vorschläge gemacht“ 2007

Hacks-CD „Was träumt der Teufel“ 2009

Hörbuch Sabine Rückert , „Unrecht im Namen des Volkes“ 2007

Hörbuch Hartmut Reiber „Grüß den Brecht“ –

Das Leben der Margerete Steffin 2009

Bardo-Henning-CD „Lieder der Verschollenen“ 2015

Autobiografie „Mein Dörfchen Welt, 2017

Marx-CD „Seiner Nützlichkeit wegen“ 2019

Sagen wird man über unsre Tage „DDR“-CD 2020

Hörbuch zur „Olga Benario“ von Ruth Werner, 2020

www.ginapietsch.de

Frauke Pietsch

Pianistin und Sängerin – Studium der Musik- und

Kommunikationswissenschaftlerin TU Berlin, Abschluss M.A.

Mit einer Forschungsarbeit über die Musik der Lakota;

Übersetzerin Berlin/Dublin seit 1997;

Volontariat Musikredaktion Jugendradio DT64

Oberstufenabschluss Klavier 1992, Gesang seit 1992.

erste Engagements 1990 – auch mit eigenen Arrangements

und Kompositionen - aktiv u.a. mit

Gina Pietsch, Stefan Litsche, Scarlett 'O, Tina Powileit,

Jürgen Ehle, Julia Schwebke & Friederike Ziegler

Marx-CD „Seiner Nützlichkeit wegen“ 2019

www.frauke-pietsch.de

ORGES WUNSCHLISTE

1956, Hannes Zerbe

BALLADE VON DEN SEERÄUBERN

aus Brechts „Hauspostille“, 1918/trad.

EIN PFERD KLAGT AN

um 1931/Hanns Eisler, Herbst 1932

Nach dem Tod meiner Mitarbeiterin M.S.

1941

GEBT KEINEN EURESGLEICHEN AUF

Bertolt Brecht, 1938/Gerhard Folkerts, 1993

LEGENDE VOM TOTEN SOLDATEN

1918

Freundschaft

aus „Geschichten vom Herrn B.“, 1977/

André Müller, Gerd Semmer

GEGEN VERFÜHRUNG

aus Brechts „Hauspostille“, 1918/Bertolt Brecht, 1918

Ich benötige keinen Grabstein

1933

AUFBAULIED DER FDJ

Dezember 1948/Paul Dessau 1948/49

GEGENLIED ZU „VON DER

FREUNDLICHKEIT DER WELT“

Anfang 1956/trad.

LIED DES SPEICHELLECKERS

1937/Siegfried Matthus

DIE SEERÄUBER-JENNY

aus „Die Dreigroschenoper“, 1928/Kurt Weill, 1928

- Pause -

Sieben Jahre aßen wir das Brot des Schlächters

Bertolt Brecht, 1939

MEIN BRUDER WAR EIN FLIEGER

aus “Kinderlieder”, 1937/Paul Dessau, 1949

DAS LIED VOM WEIB DES NAZISOLDATEN

aus “Schweyk im Zweiten Weltkrieg”,

Hanns Eisler, 1943

Die protestiert haben

um 1936/37

DIE BALLADE VOM ERTRUNKENEN

MÄDCHEN

um 1919/aus „Berliner Requiem“ Kurt Weill, 1928

HIER RUHT DIE JUNGFRAU

um 1925/aus „Berliner Requiem“ Kurt Weill, 1928

Ballade von der alten Frau

1922

Der Totenvogel

Frühling1938

DEUTSCHES MISERERE

aus “Schweyk im Zweiten Weltkrieg”,

Hanns Eisler, 1943

Epistel an seine Augsburger

1945

Morgens und abends zu lesen

August 1937

DIE BALLADE VON DER HÖLLENLILLI

Juli, August 1929/Kurt Weill, 1929

Gesang vom Sommer, 14. Psalm

1920

KLEINE LIEDER FÜR STEFF

1934, Paul Dessau, Hannes Zerbe

Als ich im weißen Krankenzimmer

Mai 1956

LIED VON DER MOLDAU

Aug, Sept 1943/Hanns Eisler, 1956

KINDERHYMNE

aus “Kinderlieder”, 1950/Ha1950

nns Eisler, - Änderungen vorbehalten -

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